
In der Hitliste der schönsten Städte dieser Welt nimmt Kapstadt zu Recht einen der oberen Ränge ein. Um die multikulturellen Schätze zu entdecken, aber auch eine Ahnung vom realen Leben der meisten Südafrikaner zu bekommen, lohnt sich eine Tour an die Peripherie.
Die Party an der Waterfront hat recht lange gedauert. Mit Rücksicht darauf holt Guide Thabo seine Schützlinge nicht im Morgengrauen, sondern erst nach einem herzhaften Frühstück zur Townshiptour ab. Die erste Station ist der District Six. 1867 zwischen Hafen und Stadt gegründet diente der sechste Kapstädter Bezirk lange Zeit als Wohnstätte für ehemalige Sklaven, Händler, Künstler, einfache Arbeiter und Immigranten. Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich die Bevölkerung hauptsächlich aus schwarzen und farbigen Südafrikanern zusammen. Gestärkt von immer strenger werdenden Apartheidgesetzen erklärte die Regierung 1966 den Bezirk kurzerhand zur „weißen Zone“ und begann mit der systematischen Zerstörung des Wohngebietes und Zwangsabsiedelungen, die bis 1982 andauerten. Rund 60.000 Menschen wurden während dieser Zeit vertrieben und waren gezwungen, sich in den Außenbezirken anzusiedeln. Erst 2004 konnte Nelson Mandela einigen der greisen Rückkehrer Schlüssel zu neu gebauten Wohnhäusern im District übergeben. Obwohl das Gebiet heute immer noch teilweise Brachland ist, soll nach und nach ein neuer Bezirk entstehen. Das District Six Museum bietet mit zahlreichen Exponaten und beeindruckenden Fotos einen tiefen Einblick in das damalige Leben der Menschen und dokumentiert gleichzeitig die grausame Geschichte der Apartheid.
Auf ein Bier ins Township
„Cheers!“ Im ältesten Township Kapstadts – Langa – mischen sich die wissbegierigen Besucher unters Volk. In einem der lokalen Pubs, einer Shebeen, schmeckt das Seven-Day-Brew, ein selbstgebrautes Bier aus Mais, Sorghumhirse, Hefe und Wasser zwar ganz gut, aber irgendwie ist es noch zu früh, um sich dem Gebräu ausführlicher zu widmen. Ernüchternd ist der anschließende Besuch in einem der so genannten Hostels. Dort werden Familien auf engstem Raum untergebracht, die darauf warten, von der Regierung eine adäquate Unterkunft zugewiesen zu bekommen. „Seit 1994 hat die Regierung über vier Millionen Häuser errichtet,“ erklärt Thabo. Die Wartezeit beträgt durchschnittlich fünf Jahre – bei anstehenden Wahlen geht es auch schneller. Was in allen Townships auffällt, ist die Inhomogenität: Wellblechhütten grenzen direkt an gut ausgestattete Häuser, und neben so mancher Shanty (Hütte) parkt ein fetziger Mittelklassewagen. Kriminalität und hohe Arbeitslosigkeit sind fixe Gegebenheiten in den Townships des 16 Jahre jungen Staates Südafrika. Auf ihnen beruht aber auch die Kraft, der es gelang, die Apartheid zu besiegen. Nun gilt es, die Narben der Rassentrennung nachhaltig zu heilen. Noch mehr Lokalkolorit spürt man nach einigen Tagen bei einer Familie oder in einer der Frühstückspensionen mitten in der Township.
Infos: African Eagle, www.daytours.co.za
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